LaurèlWenig Stoff
Warten auf ein neues Kleid: Einst prominente deutsche Labels wie Laurèl oder Strenesse müssen inzwischen hart kämpfen.
(Foto:Jörg Buschmann)
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Schon wieder steckt ein deutsches Modelabel in Schwierigkeiten. Laurèl bittet Gläubiger um Geduld.
Wie viel am Namen dran ist, wird sich zeigen. 2009 kaufte der Finanzinvestor Endurance Capital vom insolventen Escada-Konzern Marken und operatives Geschäft der Tochter Primera. Mit im Portfolio steckte Laurèl. 2012 lagerte Endurance die Marke in eine eigene Gesellschaft um. Sie braucht jetzt besonders viel Geduld und Ausdauer, wenn sie überleben soll. Laurèl macht Verlust und kann seine im November 2012 aufgelegte Anleihe - Volumen 20 Millionen Euro, Laufzeit fünf Jahre, Kupon 7,125 Prozent - nicht mehr bedienen. Der Kurs ist auf etwas mehr als 16 Prozent eingebrochen.
Für den 31. August hat Laurèl nun zu einer Gläubigerversammlung nach Aschheim eingeladen. Die Geldgeber sollen einer Verlängerung der Laufzeit und einer niedrigeren Verzinsung zustimmen.
Laurèl ist nicht der erste Emittent einer Mittelstandsanleihe, der in Schwierigkeiten steckt. Die Liste der Firmen, die ihre Anleihe im schlimmsten Fall in die Insolvenz trieb, ist lang: Schneekoppe ging es so, inzwischen hat der Naturkosthändler das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung allerdings erfolgreich beendet. Das operative Geschäft des Suppenherstellers Zamek ging im Winter 2014 an den Finanzinvestor Dricon. "Per se ist an Anleihen nichts auszusetzen", sagt Christian Gerloff, Insolvenzverwalter der Modeunternehmen Edob (der früheren Escada AG) und Rena Lange. "Wenn Emittenten schon vorher angeschlagen sind, ist eine Anleihe selten der richtige Ausweg."
Etwa Rena Lange: Im Dezember 2013 sammelte die zur Rudigier-Unternehmensgruppe gehörende Rena Lange Holding bei Anlegern 5,4Millionen Euro ein, deutlich weniger als die erhofften bis zu zehn Millionen Euro. Verzinsung nominal acht Prozent, Laufzeit bis Mitte Dezember 2017. Nicht einmal ein Jahr später, im September 2014, mussten Holding und die Tochter M. Lange & Co, bei der das operative Geschäft der Marke Rena Lange lag, Insolvenz anmelden. Das Verfahren der Holding sei noch nicht eröffnet, denn das würde die Suche nach einem Käufer für die nicht insolvente Holding-Tochter St. Emile erschweren, sagt Gerloff. Er bemüht sich weiter um einen Käufer für die Marke Rena Lange. Den Geschäftsbetrieb hat Gerloff eingestellt. Für St. Emile gibt es ihm zufolge drei, vier Interessenten. Viel Hoffnung macht er den Gläubigern nicht. Sie dürften "wenig bis gar nichts von ihrer Investition wiedersehen".
Einen scheinbar fetten Kupon von neun Prozent bot das Familienunternehmen Strenesse aus Nördlingen im März 2013 für die Zeichnung seiner Anleihe im Volumen von zwölf Millionen Euro mit einer Laufzeit von nur einem Jahr. Noch im Mai 2013 bezeichnete Luca Strehle, Enkel des Gründers und damals Vorstandschef, die Emission als Befreiungsschlag. Sie erwies sich als neue Fessel. Schon ein paar Monate nach der Platzierung musste er die Gläubiger um eine Verlängerung der Laufzeit bitten. Im Februar 2014 stimmten sie den neuen Konditionen sogar zu. Auch das half nicht. Im April meldete Strenesse Insolvenz in Eigenverwaltung an, Anfang Juli eröffnete das Amtsgericht Nördlingen das Verfahren. Zum Sachwalter wurde Jörg Nerlich bestellt, als Restrukturierungsvorstand zog Michael Pluta, ebenfalls erfahrener Insolvenzverwalter, ein.
Im Vordergrund der Eigenverwaltung stehe der Erhalt und die Zukunftsausrichtung des Unternehmens und nicht die schnellstmögliche Befriedigung der Gläubiger, sagte Pluta der SZ. Ziel der Restrukturierung sei es, das Unternehmen wieder so attraktiv zu machen, dass bei einem Verkauf auch die Gläubiger mit einer attraktiven Rückzahlung rechnen könnten. Im ersten Sanierungsjahr 2014/15 per Ende Mai habe Strenesse den "Turnaround" geschafft mit einem positiven Ergebnis vor Zinsen und Steuern.
Die Geschäftsführung von Laurèl rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit Erlösen von 40 Millionen Euro und einem Fehlbetrag von 2,1 Millionen Euro - vorausgesetzt, die Anleihegläubiger stimmen den Vorschlägen zu. Laurèl bittet sie um eine Verlängerung der Laufzeit um drei Jahre bis 16. November 2020, die Aussetzung der Zinszahlung für die laufende Periode und die Verringerung der Zinszahlung für die drei folgenden Perioden. Es gibt allerdings schon zwei Gegenanträge - von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und der auf Restrukturierung spezialisierten Münchner Firma One Square Advisory Services. Letztere argumentiert, dem Vorschlag läge "keine finanzwirtschaftliche und juristische Analyse durch einen unabhängigen Dritten oder einen Vertreter der Anleihegläubiger zu Grund". In weniger Worte gefasst ist der Mitte August verschickte und vom Geschäftsführer Frank Günther unterzeichnete Brief an die Geschäftsleitung von Laurèl ein Bewerbungsschreiben. Darin bietet One Square an, zum gemeinsamen Vertreter der Gläubiger bestellt zu werden. Günther vertritt auch die Anleihegläubiger von Rena Lange und die von Strenesse. Zur Gläubigerversammlung von Laurèl hat sich Günther schon im Bond Magazine geäußert. Die werde "voraussichtlich nicht abstimmungsfähig sein". Dazu müsste die Hälfte der ausstehenden Schuldverschreibungen anwesend sein. Das ist selten der Fall.

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